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Karl Friedrich Schinkel im Kloster Chorin

Das Kloster Chorin ist ein frühes Beispiel preußischer Denkmalpflege. Die gotische Klosterruine trat ab 1797 wieder in das öffentliche Bewusstsein als der Architekt David Gilly in seinem Reisebericht „über die Land- und Wasserbaukunst Pommerns, Preußens, der Kurmark und der Neumark auf die Bedeutung der Ruine Chorin verwies und auf ihre Einbettung in eine sehr angenehme Landschaft hinwies.
Nachhaltig wirkte sich der Einsatz Karl Friedrich Schinkels zum Schutz der Klosteranlage aus. Es ist nicht übertrieben, zusagen, dass die Originalsubstanz des Klosters Chorin heute ohne Karl Friedrich Schinkel nicht in so großem Umfang erhalten wäre.

1810 wurde Schinkel auf Empfehlung Wilhelm von Humboldts zum Geheimen Oberbauassessor der Oberbaudeputation ernannt. In dieser Position hatte Schinkel die Aufgabe, insbesondere den ästhetischen Teil der Baukunst zu bewerten. Er verfasste Gutachten über öffentliche Prachtgebäude und Monumente und über die Erhaltung der öffentlichen Denkmäler und Überreste alter Kunst. Als Schinkel 1816 in Chorin eintraf, fand er neben der gotischen Backsteinarchitektur, marode, zerfallene Gebäudereste auf einem heruntergewirtschafteten landwirtschaftlichen Betriebsgelände. Er fertigte mehrere Zeichnungen an. In einem Schreiben Schinkels an das Finanzministerium heißt es:

Bedeutende Überreste alter Klostergebäude, welche in vieler Hinsicht als Werke deutscher Baukunst merkwürdig sind und besonders in Rücksicht auf Construction mit gebrannten Steinen unserer Zeit als Muster dienen könnten. Alle sind zu ökonomischen Zwecken eingerichtet, und zu dem Ende wurde die schöne große Kirche, welche ihr Gewölbe schon verloren hat, vor mehreren Jahren mit einem neuen Dache versehen und zur Scheune und zum Holzgelass eingerichtet. Bei der Seltenheit solcher Denkmähler in dieser Provinz wird die Erhaltung eines solchen zur Pflicht, und wir ersuchen eine hochlöbliche sechste Generalverwaltung, durch die Regierung den Beamten zu Chorin die Erhaltung aller alten, zum Kloster gehörenden Gebäude gefälligst anempfehlen zu lassen, damit wenigstens willkürliches Einreißen und Verbauen dieser Alterthümer vermieden, und dem Lande der schönste Schmuck solcher Denkmähler nicht entzogen werde, wofür sich die Baubeamten der Provinzen interessieren könnten.

Für Schinkel war die Klosterruine ein Symbol nationaler Kultur und Identität. Des Weiteren diente sie als praktisches Anschauungsobjekt für die Restauratoren. Die Restaurierung war ein völlig neuer Ansatzpunkt. Ob ein Denkmal erhaltenswert war, hing wesentlich von seinem jeweiligen Nutzen ab. Ein Denkmal hatte eine ideelle Funktion, indem es gewisse Eigenschaften und Qualitäten der Vergangenheit repräsentierte. Chorin erfüllte diese politische Funktion zur Identitätsstiftung und Auslösung nationaler Gefühle. Nach der Begutachtung Chorins forderte Schinkel 1817 den damaligen Pächter des ehemaligen Klosterareals Wilhelm Nobbe auf, die Schweine aus der Kirche zu entfernen. Nachdem Nobbe dieser Aufforderung nicht nachkam, ließ der Landrat das Gebäude zwangsräumen. Der Pächter Wilhelm Nobbe vertrat die Ansicht, dass nur durch eine intensive Nutzung die Gebäude erhalten werden könnten.

Im Oktober 1823 stattete die königliche Familie Chorin einen Besuch ab. Das Entsetzen über den Verfall und die Verwahrlosung war groß. Besonderen Anstoß erregte die Profanierung der Kirche, die einst die Begräbnisstätte der askanischen Markgrafen gewesen war. Der Kronprinz (späterer König Friedrich Wilhelm IV.) zeigte sich fasziniert von der gotischen Architektur. Er gezeichnete die Klosterruine und nahm die Maße  auf. Nach diesem Besuch nahm das Interesse der Regierung in Potsdam an Chorin spürbar zu.
Das wichtigste Ziel war die Freistellung der alten Klosterkirche. Die direkt an den Chor angebauten Stallungen der Schäferei wurden abgetragen und die für den landwirtschaftlichen Betrieb notwendigen Gebäude südlich vom Kloster an der Straße nach Angermünde neu errichtet. Im Westflügel musste die Schnapsbrennerei aus dem neben der Kirche gelegenen Fürstensaal entfernt und an das Südende des Gebäudes verlegt werden.“ Das erstarkte Nationalbewusstsein bewirkte eine intensivere Auseinandersetzung mit den Vorgängern der Hohenzollern, den askanischen Markgrafen von Brandenburg. Zumal sich der Herrschaftsanspruch für das Königreich Preußen auch auf die askanische Markgrafschaft Brandenburg begründete.

1827 konnte man mit der Restaurierung beginnen. Nach mehreren Auseinandersetzungen zwischen Nobbe und dem zuständigen königlichen Beamten verlängerte man den Pachtvertrag nicht. Im Juni 1831 wurde Peter Hinrich Meyer neuer Pächter von Chorin. Meyer plante die Einbettung der Klosteranlage in einen Landschaftspark. Ganz dem Ideal der Romantik verpflichtet. Dazu wandte er sich an den berühmtesten Landschaftsgestalter Peter Joseph Lenne. Dieser entwarf einen Plan für die Choriner Anlage im Jahr 1832.

Plan Lennes für Chorin aus dem Jahr 1832

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Günther, Harri: Peter Joseph Lenne. Gärten, Parke, Landschaften, Berlin 1985, S.165