tägliche Öffnungszeiten: Sommerzeit 9.00 Uhr – 18.00 Uhr | Winterzeit 10.00 Uhr – 16.00 Uhr

Copyright: Sigrun Menzel

Sonntag, 02. September 2018 - 14:00 Uhr

Im Rahmen des Evangelischen Chorinfestes und des Landesposaunentages am 2.9.2018 wird um 14.00 Uhr in der Klosterkirche des Klosters Chorin die Installation von Sigrun Menzel eröffnet.

Am 2. September 1258 wurde das Kloster Mariensee, der Vorgängerbau des Klosters Chorin gegründet. An diese Stiftung der askanischen Markgrafen vor genau 760 Jahren erinnert die Osnabrücker Installationskünstlerin mit exakt 1258 weißen Stoffservietten.

Die Kirche im Kloster Chorin ist eine Ruine und Ruinen sind eine Aufforderung, die eigene Vorstellungskraft zu nutzen und sich das Fehlende dazu zu denken. Zentraler Aspekt dieser Installation ist die Vergegenwärtigung der Zeitgleichheit von Himmel und Erde, von spirituellem und weltlichem Leben, von Licht und Schatten und ihre gegenseitige Durchdringung. Insofern ist die Installation „ALSWIE“ Kommunikationsgeschehen mit dem Raum, der Zeit und den Menschen vor Ort. Sigrun Menzel inszeniert in den Raum hinein und macht sichtbar: „Was weg ist, ist nicht weg.“

Der Anfang ist in der evangelischen Kapelle: Ein Stapel weißer Stoffservietten, ein Baumwollseil, Holzwäscheklammern rechts unten auf dem Boden. Die Materialien sind zisterziensisch einfach und profan. In ihrer Schlichtheit laden sie ein zur Betrachtung und zur Meditation. Die Stoffservietten sind aus verschiedenen Zisterzienserklöstern (Kloster Marienstern, Kloster Seligenthal, Kloster Thyrnau, Kloster Bochum-Stiepel, Kloster Himmerod, Kloster Chorin) und von Textilservice Reichel (Beelitz). Die Servietten liegen ungefaltet. Ungefaltete Servietten heißen in der Wäschesprache „ungebrochen“. Im Kirchenschiff oben hängen weiße „ungebrochene“ Servietten an einem Baumwollseil „mit Seele“ (Sprache der Seilerei). Aufgefächert in 8 Linien, vom Südflügel kommend gen Norden, folgen sie in ihrer Richtung der Ausbreitung der Zisterzienser von Frankreich nach Skandinavien. Ein Zug der Linien durch Raum und Zeit, ein Durchzug? Was bleibt? - Lichterfahrung! Gothik ist Lichtarchitektur. Dieses Licht wird reflektiert im Weiß der Servietten. Wiederholung und Wandlung geschieht im Licht- und Schattenspiel der Sonne auf dem Stoffweiß, morgens und abends. Changierungen von Weißtönen: Perlmuttweiß, Milchweiß, Wolkenweiß, Mondweiß…

Die Wäsche auf der Leine im Garten erzählt Geschichten vom Leben der Menschen, die in dem Haus wohnen, das zu dem Garten gehört. In der Installation „ALSWIE“ hängen weiße Tischservietten auf der Wäscheleine im Kirchenschiff von Kloster Chorin und „atmen“ im Wind. Viele Assoziationen sind möglich: das weiße Ordensgewand des Zisterzienserordens, „Zupf Dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß.“ (Joachim Ringelnatz), weiße Taschentücher, die zum Abschied winken, weiße Fähnchen, die Ergebung signalisieren. Das Wort Serviette ist aus dem Französischen, und heißt übersetzt: „die kleine Dienerin“, ein Tuch, das während und nach einer Mahlzeit dazu dient, den Mund abzutupfen. Es geht ums Essen, ums Sattwerden!

Auf dem Steinfußboden, parallel zum Friedhof hinter der Kirchenmauer, wird der Blick von oben nach unten gelenkt: Ein Altartischtuch (aus Kloster Loccum) ausgebreitet wie zum Picknick. Darauf stehen 24 Weckgläser, gefüllt mit goldenem Akazienhonig. In den Honigweckgläsern sind „schlafen gelegt“ eine Rose, eine Libelle, ein mumifizierter Frosch, ein Geldstück, Scherben, ein Milchzahn, eine vergoldete Liebesperle…. 8 Servietten sind gefaltet.

Der Eintritt zum Chorinfest ist kostenfrei.
Die Installatione "ALSWIE" wird bis zum 12.10. im Kirchenschiff zu sehen sein.