Hörbuch „Entflammt von göttlichem Eifer“

Mittelalterliche Urkunden und Gesänge aus dem Kloster Chorin

In der Stiftungsurkunde des 1258 am Parsteinsee gegründeten Zisterzienserklosters Mariensee, ließen die Markgrafen Johann I. und Otto III. als Begründung für die Konventsstiftung verlauten: „Deshalb wollen wir jetzt und in Zukunft allen Christengläubigen bekannt machen, dass wir, entflammt von göttlichem Eifer und in heiliger Erinnerung an unsere Vorfahren, (…) einen Ort aus unserem Besitz (…) an den Herrn Abt und die Brüder von Lehnin übergeben (…).“ Als nach der Verlegung des Klosters die Planungen und Bauarbeiten am Kloster in Chorin ihren Anfang nahmen, muss es bei Stiftern, Baumeistern, Handwerkern und Mönchen eine Euphorie über den Neubau des gotischen Klosters gegeben haben.

Mit Zeichen und Inschriften hinterließen sie ihre Spuren in den noch ungebrannten Backsteinen. Diese, zwischen 1272 und 1290 entstandenen Zeichen, blieben im Mauerverband lange verborgen. Erst 2013 wurden 18 Zitate und 68 Einzelbuchstaben entdeckt und bilden heute den größten Bestand an bauzeitlichen, mittelalterlichen Inschriften eines Klosters. Sie werden partiell auf der Webseite chorin-steine.de mit Hinweisen zu den Texten und der genauen Lokalisation ihrer Verbauung im Kloster Chorin vorgestellt. Der Lateinexperte und Philosoph Mischa von Perger transkribierte und übersetzte die Inschriften[1]. Er stellte fest, dass einige auf bestimmte Titel oder Teile von Psalmen und Gesängen innerhalb der Liturgie der Zisterzienser verweisen. Den Mönchen lagen diese wohl auf den Lippen, als das Kloster entstand.

Das Spezialensemble für Musik des Mittelalters, VOX NOSTRA aus Berlin, unter der Leitung von Burkard Wehner, hat die Suche nach den zugehörigen Gesängen unterstützt. Vier der mittelalterlichen Zisterziensergesänge, die auf die hinterlassenen Inschriften zurückgehen, hat das Vocalensemble eingesungen. Die Aufnahmen entstanden 2018 im Kloster Chorin.

Weitere Quellen zum Leben im mittelalterlichen Kloster Chorin sind die rund 170 überlieferten Urkunden, welche das frühere Zisterzienserkloster Chorin betreffen. 149 dieser Urkunden sind 1857 in Band 13 von Riedel´s „Codex diplomaticus Brandenburgensis“ und 18 weitere Urkunden 1910 bei Gustav Abb in der „Geschichte des Klosters Chorin“ veröffentlicht worden. Die erhaltenen Originale befinden sich heute im  Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam und im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin.

Dr. Gunther Nisch übersetzte diese Urkunden aus dem Lateinischen ins Deutsche. Mit einem Vorwort wurden diese 2007 in drei Bänden der „Choriner Kapitel“ veröffentlicht. Diese Arbeit kann nicht hoch genug geschätzt werden und soll mit dieser CD ein breites Publikum finden.

Zehn Urkunden aus der Askanierzeit 1258 – 1319 sind, zum Teil in leicht gekürzter Form, als Hörbuch aufgenommen worden. Die Urkunden und die Choralgesänge vermitteln ein gutes Bild von alldem, was in einem Zisterzienserkloster in der Mark Brandenburg im 13. Jahrhundert verhandelt wurde. Zuständigkeiten der Mönche, des Abtes, aber auch Anliegen der Bürger bei Zustiftungen geben einen Eindruck vom Austausch zwischen Kloster und Welt. Die Urkunden, die der Papst und der Bischof ausstellten, zeigen politische und kirchliche Interessen. So wurde das klösterliche Wirken politisch und rechtlich abgesichert.

[1] „Bibliothek in Backstein – Inschriften an der Choriner Klosterkirche“  Arbeitsheft des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums Nr. 37, (2016), 19 ff.  .

Sobald unser Klosterladen wieder öffnen darf, ist unsere CD dort erhältlich.
Sie können das Hörbuch aber auch streamen: http://smarturl.it/entflammt oder demnächst in unserem Onlineshop erwerben.

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