„Geh ohne Erwartungen, dann bekommst Du alles was du brauchst.“

Seit einigen Jahren ist das Pilgern wieder sehr populär. Den Begriff umwehen Zuschreibungen wie „Naturverbundenheit“, „Gottesnähe“, „Abenteuer“, „Selbstfindung“. Nicht wenige Pilgernde werden zu Wiederholungstätern oder fallen gar in eine Art Sucht. Während in Spanien jährlich zig Tausende unterwegs sind, ist hierzulande die Zahl der Pilgernden überschaubar. Dennoch entstehen auch hier neue Wege und das Netz des europäischen Jakobsweges wächst.

So auch im nordöstlichen Brandenburg. Der Abschnitt zwischen Stettin/Szczecin und Berlin, entlang der Via Imperii wurde gerade ausgeschildert. Er führt über Gartz und Schwedt an der Oder, über Angermünde, Brodowin, Chorin und Eberswalde nach Bernau und Berlin. Besondere Bedeutung hat sicherlich das ehemalige Zisterzienser-Kloster Chorin. Hier wurde die Idee der Reaktivierung des historisch belegten Weges zuletzt neu angestoßen. Gemeinsam mit der Jakobusgesellschaft Brandenburg-Oderregion e.V. und in Kooperation mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde wird an der Belebung des Weges gearbeitet. Tourismus-Betriebe und Kirchengemeinden beteiligen sich gleichermaßen.

Aber was ist nötig und sinnvoll? Welche Wünsche haben Pilgernde? Was können wir aus ihren Erfahrungen lernen?

Eine online-Befragung im Herbst 2020 sollte dazu Auskunft geben. Knapp 100 PilgerInnen aus ganz Deutschland beteiligten sich an dieser anonymen Befragung, deren Auswertung nun vorliegt.

Etwa 2/3 der Teilnehmenden ist zwischen 50 und 70 Jahre alt. Ein weiterer größerer Teil ist zwischen 20 und 50 und ein kleinerer über 70 Jahre alt. Grob gesagt gibt es drei Hauptmotive für das Pilgern:

  1. Körperliche Bewegung in schöner Natur, 2. Persönliche Erfahrungen, 3. Ausdruck eines Glaubens.

 

In der „technischen Abteilung“ überwiegt das Bedürfnis nach einer klaren Ausschilderung des Weges, und nach aktuellen Karten und Informationen (gedruckt und digital) – Gefolgt vom Bedarf nach einem engen Netz preiswerter, einfacher Herbergen nah am Weg.

Der Wunsch nach Gastfreundschaft leitet aber unmittelbar zu einer anderen Ebene weiter. In ihm schwingt die Sehnsucht danach mit, als Mensch (in einer „sensiblen Phase“) gesehen zu werden.

Aus den großenteils sehr emotionalen Erfahrungsberichten und Anregungen für Anrainer und NeupilgerInnen wird deutlich, dass besonders Begegnungen, Gespräche mit anderen Menschen und geistige/geistliche Impulse die Wanderung zum Pilgererlebnis machen.

Wenn die wachsende Schar Pilgernder als Gemeinde-Unterwegs gesehen wird und wenn Kirche, wenn Gemeinden an Pilgerwegen sich ihrer Gastfreundschaft bewusst sind, kann das eine für beide Seiten gewinnbringende Wirkung entfachen. Noch Jahrzehnte später erzählen Pilgernde von überraschenden Erlebnissen: Einem Pilgersegen, einer Tauferinnerung, einer Nacht auf der Orgelempore, einem Gespräch mit einer Pfarrerin. Gemeinden berichten von dankbaren Einträgen in Gästebücher offener Kirchen und dem belebenden Engagement für eine eigene Pilgerherberge.

Die komplette Auswertung der Pilgerbefragung schicken wir Ihnen gern als PDF-Dokument zu. Oder Sie finden sie hier.  Pilgerbefragung Auswertung

Mit der Umfrage verbunden war auch die Bitte um Einsendung von Fotos für eine Ausstellung im Kloster Chorin. Aus bekannten Gründen ist diese nun online anzusehen. www.kloster-chorin.org/pilger-bilder

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